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Um Fische in einem Aquarium zu vergesellschaften gibt es mehrere Möglichkeiten. Welche notwendig und richtig sind, ist von der Art des bereits existierenden Besatzes sowie vom Neuankömmling abhängig.
Dabei geht es in erster Linie nicht darum, den Neuankömmling an die Wasserparameter des Aquariums anzupassen. Dieses sollte immer und nur sehr langsam durchgeführt werden. Bei einer Schwimmschule geht es um die Eingliederung in die bestehende Gruppe. Der Altbesatz wird, je nach Typ und Veranlagung, den Neuen nicht unbedingt freudig begrüßen. Der neue Fisch dringt in das Territorium des bestehenden Besatzes ein und die alteingessenen Fische werden ihr Revier verteidigen.
Die Revierverteidigung kann sehr heftig und brutal ausfallen, sich aber auch nur auf Verscheuchen des fremden Fisches beschränken. Beides kann zum mittelbaren oder verzögerten Tod des nachgesetzten Fisches führen. Bei der direkten Attacke wird der Fisch physisch verletzt oder sogar direkt getötet. Denn einige Fische im Seewasser besitzen Waffen, die sie im Bedarfsfall auch einsetzen. Die beliebten Doktorfische besitzen z.B. Skalpelle im Ansatz zur Schwanzflosse. Diese Waffen verhalfen ihnen auch zu dem Namen 'Doktorfische'. Diese Skalpelle werden ausgeklappt und der Eindringling in einer abdrehenden Linie angeschwommen. Dabei schlitzen die Skalpelle den Neubesatz auf.
Eine etwas diffizilere Art und Weise konnten die Autoren häufiger bei der Vergesellschaftung von Putzerlippfischen beobachten. Lippfische habe keine Waffen, wie sie der Doktorfisch besitzt. Er könnte zwar auch, wie andere waffenlose Fische, den Neuen einfach zu Tode hetzen. Aber Lippfischen wird nachgesagt, sie seien die wohl intelligentesten Fische im Aquarium. So zeigte sich hier auch eine andere Vorgehensweise. Der neue Lippfisch wurde begutachtet und ein wenig gescheucht. Aber nicht so stark angegriffen, daß der neue Lippfisch dadurch einen direkten Schaden erhielt. Er konnte sich mehr oder weniger frei bewegen und durfte auch größere Fische putzen. Die Stimmung schlug aber jedes Mal um, wenn es Futter gab. Dann wurde der neue Lippfisch mit aller Gewalt in die Dekoration gejagt. Im letzten Augenblick der Fütterung drehte der Altfisch ab und besorgte sich noch die letzten Brocken Futter. Nachdem alles vorbei war, durfte der Neue wieder aus der Deko kommen. Die Taktik war also, den Neuen vom Futter fernzuhalten und verhungern zu lassen. Das geht bei Putzerlippfischen nicht immer so. Manche jagen auch den neuen Besatz ohne Unterlass. Dieses Beispiel soll aber verdeutlichen, dass es auch vom Altfisch abhängt, ob und wie die Reaktion auf den neuen Besatz ausfällt.
 Eine Z. gemmatum in einer Schwimmschule
Der unterlegende Fisch wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit immer der Neubesatz sein - auch wenn dieser erheblich größer und kräftiger ist als der Angreifer. Fische scheinen sich nicht durch die physische Überlegenheit des Eindringlings beeindrucken zu lassen. Sie haben ja auch etwas zu verlieren - ihr Revier und damit die Futterquelle und ggf. Brutstätte. Der Neuzugang hat da die weitaus schlechteren Karten. Er kennt die Versteckmöglichkeiten und Fluchtwege noch nicht.
Bei welchen Vergesellschaftungen kann es denn nun zu Problemen kommen?
Jetzt alle mögliche Arten und Kombinationsmöglichkeiten aufzuführen ist so gut wie unmöglich. Auch das persönliche Aggressionsverhalten des Einzeltieres spielt durchaus eine Rolle. Deshalb müssen wir ein anderes Schema finden.
Ein erfolgreiches Nachsetzen einer bereits etablierten Art ist möglich, wenn man einige Punkte beachtet.
Der neue Fisch sollte nach Möglichkeit kleiner sein als der bereits im Aquarium Lebende. Dafür gibt es zwei Gründe.
Zum einen gibt es bei Seewasserfischen recht häufig die Geschlechterumwandlung. Zumeist verläuft sie so, daß das kleinere Tier ein Weibchen bleibt und das Größere sich zum Männchen wandelt. So ist es z.B. bei Zwergkaisern, im Gegensatz zu den Anemonenfischen. Dort ist es genau umgekehrt. Das größere und dominantere Tier ist das Weibchen. Zum anderen ist durch das Einbringen eines kleineren Tieres die Rangfolge sofort klar. Es ist das kleinere Tier und hat sich dem Altbesatz unterzuordnen. Würde ein größeres Tier eingesetzt werden, würde es zu Anfang erfolgreich vom Altbesatz angegriffen werden. Solange, bis der Neue sich ein wenig eingelebt hat. Danach brechen dann die eigentlichen Kämpfe um Rangfolge und Revier aus.
Folgende Punkte sollten generell beachtet werden, wenn neue Fische eingesetzt werden. Egal ob diese Art schon im Becken vorhanden ist oder nicht.
Setzen Sie kein Tier kurz vor Verlöschen der Hauptbeleuchtung ein. Viele Fische suchen bei Dunkelheit Deckung im Riff. Der Neubesatz hatte noch keine Chance sich ein geeignetes Versteck zu suchen. Es kann dann beim Verlöschen der Beleuchtung zu panischen Reaktionen kommen, die in einem Sprung aus dem Becken enden können. In diesen Fällen hilft oft eine schwache Nachtbeleuchtung. Ein weiterer Punkt ist, daß bei vielen Arten die Balz in den Abendstunden einsetzt. Zu diesem Zeitpunkt sind dann größere Aggressionen gegenüber einem Eindringling zu erwarten.
Füttern Sie den bestehenden Besatz, bevor sie den neuen Fisch einsetzen. Die Fütterung ist eines der heikelsten Zeiträume für den neuen Fisch. In dem allgemeinen Durcheinander bei der Fütterung kann es ebenfalls zu panischen Reaktionen kommen.
Problemlos eingesetzt werden können zumeist Fische, die in einem Schwarm leben. Da dieser Schwarm keine direkten Revieransprüche stellt und der Neuling direkt in dem bestehenden Schwarm integriert wird entgeht er auch den Attacken anderer Fische. So kann z.B. ein Apogon meist problemlos nachgesetzt werden. Aber Vorsicht. Einige Arten wie z.B. Demoisellen gelten als Schwarmfisch. Dieses mag in der freien Natur ja durchaus richtig sein, im Aquarium sind es eher Einzelkämpfer, die jeden Neuling sehr brutal angreifen können.
Manche Arten sind auf Grund ihrer Giftigkeit ein Tabu für andere Fische. Somit wird ein eingesetzter Kugelfisch zwar im ersten Moment angeschwommen, sobald er aber erkannt wird nicht weiter beachtet. Feilenfische können meist auch problemlos nachgesetzt werden. Einige imitieren sehr erfolgreich das Aussehen von Kugelfischen. Aber auch andere werden meist nicht attackiert, da sie keine Konkurrenz zu Futter oder Revier bedeuten.
Fische, die aus der gleichen Gattung kommen und somit nicht nur beim Futter, sondern auch bei der Partnerwahl eine Konkurrenz darstellen, werden zumeist sehr heftig angegriffen. Aber auch Fische, die den gleichen Lebensraum bzw. das gleiche Futter beanspruchen.
Zwergkaiser greifen zwar ihresgleichen an, aber diese Aggression legten sich meist sehr schnell. Hier sind meistens keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Auch wenn der Neubesatz zu Anfang schwer leiden muss.
Doktorfische greifen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit an und können sich Verletzungen zufügen. Hier ist der Einsatz einer Schwimmschule sicherlich angebracht. Was ist nun eine Schwimmschule?
Eine Schwimmschule ist ein Aquarium im Aquarium. Nach dem Anpassen des neuen Fisches wird er in ein Gefäß eingebracht, das im Aqaurium befestigt wird. Dieses Gefäß sollte reichlich durchströmt werden können und durchsichtig sein. Am besten eignen sich einfache Plexiglasbecken, die entsprechend bearbeitet wurden. In der Schwimmschule sollten sich auch Versteckmöglichkeiten befinden. Der eigentliche Sinn der Schwimmschule ist das sehen und gesehen werden, ohne sich körperlichen Schaden zufügen zu können. Natürlich wird der Neue auch in der Schwimmschule angegriffen. Aber der Angriff endet an der Scheibe.
 Ein Z. flavescens in einem abgeteilten Bereich, der 'Hausherr' davor
Einige mögen nun behaupten, das sei für den Neuen viel zu viel Streß, weil er auf dem Präsentierteller sitzt und nach dem Entlassen aus der Schwimmschule ja doch an die Alttiere gerät. Dem widerspreche wir aus einigen Erfahrungen. Nach dem Transportstreß durch den Einkauf wird der Fisch nicht auch noch massiven körperlichen Attacken ausgesetzt. Man ist in der Lage den Fisch gezielt zu füttern und zu beobachten. Sollte der Fisch auf Grund von Streß mit Pünktchen reagieren, kann man dieses Becken problemlos aus dem Hauptbecken nehmen und das Tier extern behandeln. Denn die wirksamen Medikamente sind für Korallen tödlich. Hier aber nicht gleich bei jedem Pünktchen zur chemischen Keule greifen. Bei Streß entstehen weiße Punkte auf dem Fisch, die zumeist von alleine wieder verschwinden. Lediglich bei einigen sehr empfindlichen Arten können diese Stress-Symptome auch schnell in ein Krankheitsbild umschlagen.
Zurück zu der Schwimmschule. Nach einiger Zeit lassen die Angriffe nach und nach 3-4 Tagen interessiert sich der Altbesatz nicht mehr für den Neuen. Dieser ist mittlerweile auch erheblich sicherer und neugieriger geworden. Das ist der Moment, wo wir ihn aus seiner Einzelhaft erlösen können. Dabei sollte man wie folgt vorgehen:
Eines Morgens, wenn noch Nacht im Aquarium ist und alle Fische in ihren Verstecken schlafen, wird der Neue aus der Schwimmschule entlassen. Nun hat er Zeit, das Becken zu erkunden und sich Fluchtwege zu merken. In unseren Augen ist das der zweite entscheidende Vorteil einer Schwimmschule. Diese Möglichkeit hat der Neubesatz normalerweise nämlich nicht. Wer kauft schon seine Fische in der Nacht und setzt diese frühmorgens ein?
Irgendwann stehen sich aber Neu- und Altbesatz gegenüber. Natürlich kommt es nun auch zu Verfolgungsjagden. Diese sind aber weniger ausdauernd und nicht mit solcher Brutalität geführt wie ohne Schwimmschule. Gerade bei der Vergesellschaftung von Doktoren kann man den Verzicht der Skalpelle feststellen.
Zum Abschluß noch 2 Vergesellschaftungen mit Schwimmschulen aus eigener Erfahrung:
Fall 1: Einbringen eines Doktorfisches A.japonicus zu einem Doktorfisch Z.Flavescens.
Der erste Versuch wurde ohne Schwimmschule durchgeführt. Der A.japonicus war deutlich größer als der Zebrosoma. Dazu sollte man wissen, das ein A.japonicus selber kein Kind von Traurigkeit ist und beim Nachsetzen von Fischen schnell zur Furie werden kann. Trotzdem unterlag er den Attacken des gelben Hawai-Segelbaders.
Innerhalb von 5 Minuten lag der neue Doktor schneeweiß am Boden und rührte sich nicht mehr. Die Aktionen und Angriffe des gelben Doktorfisches liefen so schnell ab, das ein Herausfangen oder Unterbinden der Attacken nicht möglich war. Ich glaubte den neuen Doktor eigentlich tot und nahm ihn mit der Hand aus dem Becken. Dabei bemerkte ich aber, das er anscheinend doch noch lebte. Nun setzte ich eine durchlöchertes Plexiglasaquarium ins Becken und setzte den A.japonicus dort ein. Er erholte sich schnell. Nach ein paar Tagen wurde er aus der Schwimmschule entlassen. Nach einigen wenigen Tage konnte sich der neue Doktorfisch gegenüber dem Alten behaupten und die Vergesellschaftung war gelungen.
Fall 2: Nachsetzen eines Z.flavescens zu einem größeren Z.flavescens.
Hier vermutete ich eine großes Aggressionverhalten des Alttieres. Vorsichtshalber teilte ich eine Ecke des Aquariums mit einer durchlöcherten Plexiglasplatte ab und setzte den kleineren Doktorfisch dort ein. Genau wie befürchtet, zeigte das Alttier enorme Aggressionen mit ausgefahrenem Skalpell. Da wäre es dem neuen wahrscheinlich nicht gut ergangen. Diese Attacken hielten fast 3 Tage an. Danach verlor sich so langsam das Interesse. Nach 5 Tagen wurde der Kleine aus seinem gläsernen Käfig entlassen. Nachdem die beiden aufeinander gestoßen waren, verlief eigentlich alles wunderbar. Die Hatz dauerte wirklich nur ein paar Runden. Danach war Frieden. Diese beiden schwimmen noch heute zusammen ihre Bahnen im Aquarium.
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