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Haarsterne im Aquarium



Einleitung
Der Aquarianer sucht sicherlich immer wieder das Außergewöhnliche für sein Becken. Etwas was sein Becken von anderen unterscheidet. Und somit fällt der Blick auch schnell auf Lebewesen mit etwas skurillerem Aussehen.
In den Händlerbecken sind neben Korallen und "normalen" Fischen auch häufiger Haarsterne anzutreffen. Diese mitunter extrem farbigen Tiere verleiten durch ihre außergewöhnliche Körperform zum Kauf an. Auch die Fangtechniken und Fortbewegung sucht in der Art vergleichbares im Aquarium. In diesem Artikel wollen wir Ihnen die Gattung und die Pflege ein wenig näher bringen.

Ein Traum in jedem Aquarium. Aber auch für die Haarsterne?



In diesem Artikel sind mit Absicht keine Gattungsnamen erwähnt und die Bilder der Haarsterne auch nicht mit den Namen gekennzeichnet. Wir sind einfach nicht in der Lage eine sichere Identifizierung anhand von Nachlagewerken vorzunehmen. Einige Arten sehen sich auf den Abbildungen so ähnlich, das wir mit Sicherheit eine größere Anzahl von Fehlbestimmungen publizieren würden. Bevor wir es also absolut falsch machen, machen wir es lieber gar nicht.

Der interessierte Leser findet aber einige Haarsterne im Mergus Meerwassser Atlas Band 3 und Band 5. 

Von Nicht-Aquarianern oft für eine Alge gehalten: der grüne Haarstern



Die Arten

Mit über 600 Arten zählt die Gruppe der Haarsterne zwar noch zu der kleinsten Gruppe der Stachelhäuter, aber alle werden wir deshalb trotzdem nicht vorstellen können. Deshalb beschränken wir uns hier auf die Arten, die häufiger im Handel vertreten sind und wo auch einige Erfahrungen durch Aquarianer vorliegen.

Die meisten Tiere, die im Handel angeboten werden, stammen aus Indonesien und den Phillipinen. 

Die Pflege
Um Haarsterne pflegen zu können ist es zuerst einmal notwendig sich ein wenig mit der Ernährung zu beschäftigen. Haarsterne sind zumeist nachtaktive Planktonfänger. An beiden Seiten der Arme befinden sich Fortsätze mit denen die Nahrung gefangen und sortiert wird. Danach wird die Nahrung eingeschleimt und in sogenannte Futterrinnen weitergeleitet. Diese befördern die Nahrung zu der Mundöffnung in dem relativ kleinen Körper eines Haarsternes.


Auf der Wanderschaft. Erstaunlich das Geschick beim Laufen.

Während einige Harrsterne sehr viele Arme mit einer großen Anzahl von Fortsätzen haben, die Arme sehen fast wie Vogelfedern aus, sind die Arm-Fortsätze bei anderen Arten sehr ausgedünnt. Vielleicht rührt auch daher die Bezeichnungen Haar- bzw. Federstern. Wir wissen es nicht. 




Diese unterschiedliche Ausstattung der Fangvorrichtungen deutet auf eine unterschiedliche Ernährungsweise hin. Bei einem dichtem Netz aus vielen feinen Fortsätzen und vielen Armen, ist die Filterleistung entsprechend hoch. Dieses deutet auf kleine Nahrung hin. Dementsprechend müßte der Haarstern mit einem "gröberen" Netz auch mit größerer Nahrung zurecht kommen. Und dieses wurde auch bei den Autoren beobachtet.


Ein besonders schöner Haarstern



Dazu einige Erläuterungen:

Es wurden in verschiedenen Becken die unterschiedlichsten Arten eingesetzt. In einigen wurde nur mit Staubfutter gefüttert, in anderen eine Kombination aus Staubfutter und Phytoplankton. Die farbigen Arten, die alle mit sehr feinen Fangapparaten ausgestattet waren, degenerierten in dem Becken mit der reinen Staubfütterung sehr schnell. In den Planktonbecken hielten sie sich zwar besser, aber nach 6- 12 Monaten waren sie auch verschwunden. Die grünen Haarsterne haben auch in den Gemeinschaftsbecken bis heute überlebt und zeigen ein natürliches Verhalten und Wachstum.
Bei dieser Art konnte auch die Ernährung genauer beobachtet werden. Es können Futterpartikel bis zur Größe von ausgewachsenen Artemia gefangen und transportiert werden. Dabei verhält sich der grüne Haarstern etwas anders als seine planktonfiltrierenden Vettern. Er rollt einen Arm um das gefangene Futter und führt diesen Arm dann zur Mundscheibe.


Dieser Haarstern ist also in der Lage von der allgemeinen Fischfütterung einen Anteil zu ergattern. Zumindest wenn die Strömung einen Teil in seine Arme treibt. Es muß sich dabei allerdings um Frostfutter handeln. Die Aufnahme von Trockenfutter konnte bis heute nicht beobachtet werden. 
Das verändern der Futterstelle führt zu einer Wanderung des Haarsternes in eine bessere Ausgangsposition. Dieses Verhalten konnte in einem Becken der Autoren mehrfach reproduziert werden. 


Planktonfang an strömungsreicher Stelle


Die fein gefiederten Haarsterne sind zumeist nur nachtaktiv und verstecken sich tagsüber in der Dekoration. Nachts kommen sie hervor und suchen exponierte Stellen auf um die Strömung bestmöglich zu nutzen. Haarsterne die auch tagsüber aktiv sind, werden schnell durch neugierige Fische gestört und verlagern ihre Aktivitäten in die Nachtzeit.

Der grüne Haarstern dagegen ist tag- und nachtaktiv und reagiert bei einer Fischfütterung sehr schnell. Aus seiner abwartenden Stellung begibt es ich schnell in eine gute Position.


Die Vergesellschaftung:
Obwohl Haarsterne den Verlust eines Teil des Armes, wahrscheinlich auch des kompletten Arms, eigentlich gut überstehen und schnell regenerieren, kommt es bei dauerndem Verbiss letztendlich doch zu massiven Beeinträchtigungen. Dieser Verbiss wird durch Fische hervorgerufen, die zumindest den Ruf haben auch Wirbellose zu schädigen. In unseren Becken fielen hier besonders die Zwergkaiser auf, die mal schnell im vorbeischwimmen einen Biss setzen und auch Teile des Arms abtrennen können. Diese Verhalten scheint nicht der Ernährung des Fisches zu dienen, da die abgetrennten Teile unbeachtet zu Boden sinken. Der Haarstern reagiert darauf mit zusammenziehen seiner Arme. Kurze Zeit später werden diese aber schon wieder geöffnet.


Nicht nur für Borussia Fans eine Augenweide ;-)



Bei anhaltendem Zupfen und Beißen wechseln die Haarsterne den Standort. Sie laufen auf ihren Cirren, teilweise unter zu Hilfenahme der Arme, durch das Becken und stellen sich dabei gar nicht mal ungeschickt an. Danach lassen sie sich an einem neuen Standort nieder. Dieses Verhalten ist auch zu beobachten, wenn anscheinend zu wenig Nahrung gefangen werden kann.

Letztendlich ist die Flucht in einem eingeschränktem Lebensraum aber nicht von dauerhaftem Erfolg. Die Fische finden die Haarsterne natürlich wieder und setzen ihr Werk fort. Auf einem Symposium und in einer aquaristischen Fachzeitschrift hat einer der Autoren folgende Aussagen getroffen:

Die Zwergkaiser zupfen ohne Unterlass an den farbigen Haarsternen herum und schädigen diese arg. Auch schwarz/weiß geringelte Haarsterne wurden attackiert. Lediglich der grüne Haarstern wurde in Ruhe gelassen, bzw. nicht so stark belästigt. Anscheinend hat dieser einen Verteidigungsmechanismus. Ob er giftig ist oder einfach nicht schmeckt entzieht sich meiner Kenntnis. Auf jeden Fall würde ich vor dem gleichzeitigen Einsetzen von Haarsternen und zupfenden Fischen abraten.


Noch steht er in aller Pracht... 


...doch leider handelt es sich hier um das selbe Tier.
Ungeeignete Nahrung und Fische haben diesem Haarstern sehr zugesetzt.


Zumal Haarsterne bei ständiger Berührung auch zur Selbstverstümmelung schreiten und den entsprechenden Arm einfach abtrennen. Halten Sie also den Arm eines Haarsternes niemals fest. Es könnte sein, das sie diesen Arm plötzlich als einigstes in der Hand haben.

Für fein gefiederte Haarsterne ist ein Gemeinschaftsaquarium nicht die beste Wahl. Eher ein ruhiges Becken in denen auch andere Filtrierer beheimatet sind und der Fischbesatz aus ruhigen und weniger neugierigen Fischen besteht, z.B. Seenadeln.

Transport und Eingewöhnung
Da Haarsterne ziemlich zerbrechliche Tiere sind und auch zur Selbstverstümmelung neigen, sollte der Transport sehr behutsam erfolgen. Stärke Einwirkungen beim Transport haben den ganzen oder teilweisen Verlust von Armen oder Beinen (Cirren) zur Folge.
Haarsterne sollten sehr langsam an die Wasserwerte im Becken angepasst werden. Die Tröpfchenmethode sollte jedem Aquarianer bekannt sein und bei diesen Tieren unbedingt angewendet werden. 


Vermehrung:
Die Vermehrung von Haarsternen ist sicherlich möglich, aber nicht in einem Aquarium. Die Tiere sind getrennt geschlechtlich. Das ist das erste Hindernis. Den eine Unterscheidung ist uns nicht bekannt und wird in der üblichen Literatur nicht beschrieben. Spermien und Eier werden ins Wasser abgegeben und bei einer erfolgreichen Befruchtung bildet sich eine Larve. Die Larven durchleben eine planktonische Phase was eine aquaristische Vermehrung erneut erschwert. Die planktonische Larve sinkt zu Boden und befestigt sich dort. Dort bilden sie einen Stiel aus und leben so mehrere Monate. Danach lösen sich sich ab und beginnen ihr freies Leben.
Nicht gerade optimale Fortpflanzungsmethoden für ein Aquarium. Ein erfolgreiche Nachzucht ist uns nicht bekannt. Trotzdem glauben wir, das es unter bestimmten Vorraussetzungen möglich ist. Ein erfahrener Fischzüchter könnte hier sicherlich einiges erreichen.

Zusammenfassung
Haarsterne sind durchaus in einem normalen Aquarium zu pflegen. Wir empfehlen hier aber nur den grünen Haarstern, der mit seiner Ernährungsweise und seiner etwas größeren Robustheit in einem Gemeinschaftsbecken besser zurecht kommt.


Dieser grüne Haarstern ist auch in einem Gemeinschaftsbecken sehr gut haltbar



Die fein gefiederten, teilweise extrem farbigen, Haarsterne sind eher nicht empfehlenswert. Diese überleben in einem normalen Gemeinschaftsbecken nicht. In einem Artenbecken mit ruhigen Fischen und ausreichender Fütterung sind diese sicherlich auch zu halten. Aber die Fütterung mit hochwertigem Staubfutter und Plankton sollte mehrmals täglich erfolgen. Diese Fütterung führt zu enormen Belastung der Wasserwerte, so das hier weiterführende Maßnahmen bei der Filterung notwendig werden.


Dieser Art ist mittlerweile seit 3 Jahren bei beiden Autoren im Becken.




Hier noch ein paar Impressionen:



Ein sehr schönes Tier, das leider für die Aquaristik nicht geeignet ist.


Hier sind sehr gut die Füße ( Cirren ) zu erkennen.


Zwei auf einen Streich



Frank Diehl, Robert Baur-Kruppas © 2005 by www.matuta.com und www.korallenriff.de


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