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Großpolypige Steinkorallen



 Unter der Bezeichnung Steinkorallen versteht man in heutiger Zeit zumeist SPS. LPS ( Großpolypige Steinkorallen ) sind leider nicht mehr so in Mode obwohl es sehr schöne Exemplare gibt. Diese Arten sind seit ca. 1970 im Handel. Einige davon wollen wir hier nun in einem Kurzpoträt vorstellen.



Unter den großpolypigen Steinkorallen sind Arten mit Solitärpolypen und mit mehreren Polypen. Auch hier gibt es zooxanthelle und azooxanthelle Arten.

Großpolypige Korallen kommen auch in höher belasteten Becken gut zurecht. Auch die Farben leiden bei hoher Nährstoffbelastung meist nicht so stark wie bei den kleinpolypigen Korallen.

Diese Korallen sind häufig in der Lage neben dem Licht auch andere Energiequellen zu nutzen. Bei der Fütterung der Fische können sich großpolypige Korallen durchaus ihren Anteil vom Futter holen. Durch gezieltes zufüttern kann eine deutlicher Wachstumsschwung bei diesen Korallen erreicht werden.


Plerogyra



Die bekannteste großpolypige Koralle ist wohl die Blasenkoralle. Diese gibt es in verschiedenen Farbformen von weiß, bräunlich, grün und sogar in blau (sehr selten).

Blasenkorallen sind relativ genügsam und gut haltbar. Sie bevorzugen eher etwas schattigere Plätze. Im Aquarium können sie sich vom Licht ernähren, nehmen aber auch Futterreste usw. auf.


Die Farben der Blasenkorallen passen sich den Lichtverhältnissen und dem Nährstoffangebot an. So kann eine hell stehende weißlich/bräunliche Blasenkoralle in etwas dunkleren Standorten durchaus grün werden. Dieser Vorgang ist reversibel. Dieses ist bei einem der Autoren schon mehrfach durchgeführt worden. Bei einer wirklich grünen Variante funktioniert diese Methode allerdings nicht. Diese bleiben immer grün.

Caulastrea



Sie benötigen mässig bis viel Strömung und Licht. Eigentlich sind Caulastrea Arten sehr robust, haben aber mit einigen Plagegeistern sehr große Probleme. Alles was an dem Korallenskelett hochwachsen kann und gleichzeitig relativ stark nesseln kann führt zu massiven Schädigungen. Dazu zählen Glasrosen und die Anemone majano cf. Gerade die Anemonen können sehr schnell zum totalen Verlust des Stockes führen, da sie erst relativ spät vom Pfleger erkannt werden. Zum Zeitpunkt des Erkennes ist die Koralle meist schon innen komplett von diesen Anemonen überwuchert. Eine Entfernen der Anemonen ist fast unmöglich und es bleibt meist nur den Korallenstock komplett zu entfernen.


Fungia



sind bodenlebende Korallen. Sie entstehen aus Ablegern eines Muttertieres - durch Anthocaulibildung. Nach dem Ablösen sind sie freilebend. Lediglich eine Art ist krustenbildend. Sie sind sehr robust und akzeptieren mäßiges bis starkes Licht und Strömung.
Sedimente können diese Korallen zum Teil wieder selbstständig vom Gewebe transportieren. Werden sie allerdings verschüttet, das passiert im Becken meist durch Grundeln, sind diese Tiere verloren und sterben ab. Sterbende Tiere sollten nicht aus dem Becken entfernt werden, da diese durchaus noch Notableger produzieren können.

Heliofungia



Die Gattung Heliofungia ist bei weitem nicht so robust. Sie reagieren auf Verletzungen des Gewebes schnell mit Gewebsauflösungen. Auch sie können Notableger bilden, diese gelingt aber bei Heliofungia weitaus seltener als bei den anderen Fungia-Arten. Heliofungia sind im Becken generell nicht besonders gut haltbar. Es hat den Anschein als wenn eine Versorgung des Energiebedarfs durch Licht alleine nicht gedeckt werden kann. In nährstoffreichen Becken halten diese Arten bedeutend besser als in unbelasteten Becken.


Euphyllia



Diese Koralle ist sehr aggressiv und entwickelt sehr lange Tentakeln. Sie kann aktiv Nahrung erbeuten.
Bevorzugt werden mäßige Strömung, ansonsten werden die Polypen nicht voll oder gar nicht entfaltet. Diese Koralle sind gegen Gewebsinfektionen anfällig. Diese sollten sofort behandelt werden. Zumeist sind Polypen davon betroffen, die etwas abgeschattet stehen.
Im Aquarium vermehrt sich diese Koralle zumeist durch Bildung von Polypen an der Basis des Hauptstockes.

Cynarina



Eine sehr widerstandsfähige Koralle. Sie bevorzugt schwache bis mittelstarke Beleuchtung und schwache Strömung. Tagsüber kann der Polyp bis zu einer Größe von 35 cm expandieren. Nachts fängt diese Art mit ihren Tentakeln erfolgreich Plankton. Auch hier kann eine Wachstumssteigerung durch zufüttern erreicht werden. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, das größere Exemplare durchaus in der Lage sind kleinere Fische zu fangen. Dieses ist aber sehr, sehr selten.



Tubastrea



ist eine azooxanthelle Koralle. Sie lebt also nicht von Licht sondern von der aufgenommen Nahrung. Im Aquarium kann sie mit Artemia und anderen Frostfutter ernährt werden. Die Kolonie muss aber direkt und gezielt gefüttert werden. Das bedeutet einen erhöhten und regelmäßigen Pflegebedarf. Diese Korallen sind mittlerweile durchaus haltbar, trotzdem sollte man sich die Pflege gut überlegen. Den auch die Urlaubszeit des Pflegers muss überbrückt werden. Durch den erhöhten Futtereintrag in das Aquarium kann es auch sehr schnell zu Problemen mit den Wasserwerten kommen.

Blastomussa



Diese Arten kommen aus trübem und sedimentreichem Wasser. Im Becken sollte sie starke Beleuchtung bekommen, aber nie direkt. Bei mäßiger Strömung hält sie sich im Becken recht gut.
Es gibt einige sehr farbintensive Tiere mit kräftigem Rot oder Orange. Aber auch grüne oder braune Exemplare sind häufig im Handel. Bei voll geöffneten Polypen sehen sie teilweise fleischigen Scheibenanemonen recht ähnlich. Eine direkte Fütterung ist bei dieser Art anscheinend nicht möglich.

Favia/Favites



Favia/Favites kommt heute bei weitem nicht mehr so oft in den Handel wie früher. Schade eigentlich, handelt es sich doch bei dem Tier um eine an sich sehr robuste Koralle. Zudem ist sie traumhaft schön. Achten sollte man darauf das um sie herum genug Platz ist, da sie durchaus in der Lage ist über eine Entfernung von 7 cm andere Tiere zu vernesseln. Hierzu streckt sie einfach Ihre so genannten Kampftentakel aus. Allerdings muss man dazu sagen das sie selbst auch von anderen Korallen zurückgedrängt werden kann. Zum Beispiel von einer Sinularia oder Scheibenanemonen. Diese Koralle braucht viel Licht, und eine eher stärkere (keine direkte) Strömung. Bildet Tochterrpolypen aus, weshalb man sie mit der richtigen Strategie auch vermehren kann. Allerdings ist das sehr Zeitaufwenig.

Vermehrung von großpolypigen Korallen

Leider ist die "mechanische" Vermehrung bei den meisten großpolypigen Korallen nicht so einfach wie bei den den kleinpolypigen Arten. Fragmentierung funktioniert zwar bei den astförmig wachsenden Arten, wie z.B. bei Caulastrea ganz gut aber Korallen mit einem Solitärpolypen wie z.B Cynarina ist diese nicht möglich. Auch Kolonien die aus einem massiven Skelett herauswachsen, wie z.B. Blasenkorallen können auf diese Art nicht fragmentiert werden. Das soll nun nicht bedeuten, das es gar nicht geht. Dabei wird teilweise mit Trennscheiben und Keilen gearbeitet und es besteht immer die Gefahr den gesamten Mutterstock zu verlieren. Auf diese Methoden werden wir hier nicht weiter eingehen, da es doch eher etwas für Fortgeschrittene ist.

Häufig vermehren sich LPS im Becken aber auch von ganz alleine. Bei Fungia durch Bildung der Tochterkolonien oder bei Euphyllia doch Tochterpolypen am Hauptstamm. Bei einigen Arten kann auch das flächige Wachstum ausgenutzt werden. Wenn ein Stein an die Mutterkolonie gelegt wird und die Koralle "übergesprungen" ist, kann dieser Stein über einen längeren Zeitraum langsam wieder von der Mutterkolonie entfernt werden. Die Polypen auf dem Ablegerstein werden in dieser Zeit von der Mutterkolonie abgeschnürt.

Die geschlechtliche Vermehrung ist in einem Becken zwar auch möglich, aber doch eher selten. Dabei werden Spermien und Eier von den Korallen ins Wasser abgegeben. Ob diese im Aquarium allerdings zu neuen Korallen heranwachsen ist eher fraglich. Wahrscheinlicher ist es bei Abgabe von fertigen Larven. Das sind fertig entwickelte Korallen, die bereits in der Mutterkolonie herangewachsen sind. Solche Korallen bezeichnet man als Brüter. Bei Euphyllia-Kolonien konnte so eine sexuelle Nachzucht auch im Aquarium bereits beobachtet werden.

Frank Diehl, Robert Baur-Kruppas © 2004 by http://www.matuta.de und http://www.korallenriff.de



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